{"id":494,"date":"2012-02-10T09:44:36","date_gmt":"2012-02-10T09:44:36","guid":{"rendered":"http:\/\/q-words.net\/?p=494"},"modified":"2012-02-10T09:55:53","modified_gmt":"2012-02-10T09:55:53","slug":"from-victims-to-victors","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/q-words.net\/?p=494","title":{"rendered":"From victims to victors"},"content":{"rendered":"<p>[Not a valid template] \u00dcberlebende und Familien der Opfer von S\u00fcdafrikas Apartheid haben 1995 die Khulumani Support Group gegr\u00fcndet. Khulumani betreibt Lobbyarbeit und ist F\u00fcrsprecherin f\u00fcr ungel\u00f6ste und unerledigte Themen der TRC (Truth and Reconciliation Commission\/Wahrheits- und Vers\u00f6hnungskommission).<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p style=\"margin-top:12px;\">\nIm Stadtzentrum von Johannesburg ragt das Khotso-Haus mit zw\u00f6lf Stockwerken zwischen banalen Firmengeb\u00e4uden empor. Als Sitz des S\u00fcdafrikanischen Kirchenrates und verschiedener Anti-Apartheid-Gruppen wurde es im August 1988 zerbombt. Heute beherbergt der Bau wieder progressive Menschenrechtsorganisationen, darunter die Khulumani-Unterst\u00fctzungsgruppe. Zwelikude Mkhize ist seit Beginn Aktivist bei Khulumani.\n<\/p>\n<p style=\"margin-top:12px;\">\n<em>Khulumani ist 1995 als Antwort auf die Wahrheits- und Vers\u00f6hnungskommission (Truth and Reconciliation Commission, TRC) gegr\u00fcndet worden. Wof\u00fcr stehen euer Name und eure Gruppe?<\/em><br \/>\nZwelikude Mkhize: Khulumani bedeutet \u00bbdie Stimme erheben\u00ab in isiZulu. Familien der Verschwundenen, Angeh\u00f6rige der Opfer politischer Morde und \u00dcberlebende willk\u00fcrlicher Verhaftungen aus der Apartheid-Zeit haben die Gruppe ins Leben gerufen, als das Parlament 1995 das Gesetz zur F\u00f6rderung der Nationalen Einheit und Vers\u00f6hnung debattierte. Damit sollten vorherige Gewalttaten ausdr\u00fccklich aus der Perspektive der Opfer benannt werden. Khulumani w\u00e4hlten wir als Name, um Opfer und \u00dcberlebende sprechen zu lassen und die Grausamkeiten der Apartheid als Verbrechen gegen die Menschheit bekannt zu machen und anzuerkennen, wie es die Vereinten Nationen und die internationale Gemeinschaft erkl\u00e4rt hatten. Schwerpunkt war es, Opfern und \u00dcberlebenden Zugang zum TRC-Prozess zu erm\u00f6glichen sowie ihnen zu helfen mit den Verletzungen, dem Trauma und der Depression umzugehen. Die meisten der Opfer hatten und haben immer noch medizinischen Bedarf, weil auf sie mit scharfer Munition geschossen wurde. W\u00e4hrend der Apartheid mussten Opfer staatliche Krankenh\u00e4user meiden, weil sie dort von der Sicherheitspolizei festgenommen wurden. Als Resultat sind die meisten nicht mehr in der Lage, ein w\u00fcrdevolles Leben zu f\u00fchren.\n<\/p>\n<p style=\"margin-top:12px;\">\n<em>Was seht ihr als eure Hauptaufgabe an?<\/em><br \/>\nDie Bed\u00fcrfnisse der Opfer zu benennen. Diese unterscheiden sich \u2013 einige sind medizinisch, andere psycho-sozial, wieder andere sozio-\u00f6konomisch. Das sind gro\u00dfe Herausforderungen f\u00fcr Khulumani. Der TRC-Prozess konnte nicht einmal einen Bruchteil dieses Bedarfs angemessen ansprechen. Was die Frage der Reparationen angeht, gab es keine fundierte Entscheidung dar\u00fcber, wie viele Reparationen den Opfern zugestanden h\u00e4tten \u2013 als Entsch\u00e4digung und um Apartheid zum Verbrechen zu erkl\u00e4ren. Zwar hat die TRC individuelle Reparationen vorgeschlagen, nur ist der Staat der Empfehlung nicht gefolgt. Entlang dieser Auseinandersetzungen werden Opfer die Bedeutung und den Stellenwert von Reparationen ausgestalten und verhandeln, um angemessene Reparationen zu realisieren. Es bleibt eine offene Frage, womit sich Opfer und \u00dcberlebende auss\u00f6hnen sollen. Mit dem was wirklich geschehen ist, w\u00e4hrend ein Gro\u00dfteil des Landes dieses Bewusstsein einfach unter den Teppich kehren will?\n<\/p>\n<p style=\"margin-top:12px;\">\n<em>13 Jahre nachdem der erste Bericht der TRC an den damaligen Pr\u00e4sidenten Mandela \u00fcbergeben wurde, verlangt Khulumani weiterhin Reparationen f\u00fcr die Opfer von Menschenrechtsverletzungen zur Apartheid-Zeit. Ende Oktober 2011 habt ihr die zweite Phase der \u00bbKampagne Rote Karte\u00ab gestartet. Worum geht es dabei?<\/em><br \/>\nDie Kampagne zeigt Pr\u00e4sident Zuma die Rote Karte. Er ignoriert \u00dcberlebende, die im Kampf f\u00fcr Freiheit und Demokratie gelitten haben und stellt kein Geld aus dem Pr\u00e4sidentenfonds f\u00fcr Reparationen an Communities zur Verf\u00fcgung. Au\u00dferdem wird Parlamentsmitgliedern die Rote Karte gezeigt, die f\u00fcr sich Sonderrenten beanspruchen, w\u00e4hrend ihre Kameraden komplett verarmt sind.\n<\/p>\n<p style=\"margin-top:12px;\">\n<em>Die \u00bbKampagne Rote Karte\u00ab ist auch das Herzst\u00fcck eures Apartheid-Rechtsstreits, in dem ihr 2002 wegen Menschenrechtsverletzungen gegen 23 multinationale Konzerne Klage in den USA eingereicht habt.<\/em> <sup><a href=\"#&sup1;\">1<\/a><\/sup><br \/>\nDie Kampagne benennt und diskreditiert multinationale Konzerne, die der Apartheid Beihilfe geleistet haben. Als einige dieser Unternehmen w\u00e4hrend der letzten WM Fu\u00dfballteams sponserten, haben wir 2010 die Kampagne gestartet. Diese Firmen haben immens davon profitiert, Gesch\u00e4fte mit der Apartheidregierung zu machen \u2013 auf Kosten der Menschen, die unterdr\u00fcckt und geschunden wurden. Die Konzerne sind immer davon gekommen. Sie haben bei der Verletzung von Menschenrechten mitgespielt und so staatlich gesponserte Gewalt gef\u00f6rdert \u2013 im Versto\u00df gegen das Waffenembargo der UN. Mit korrupten, unterdr\u00fcckerischen und tyrannischen Regierungen zusammenzuarbeiten, ist nie fair. Die Konzerne zerst\u00f6ren noch immer das Leben unschuldiger Menschen und ganze Communities.\n<\/p>\n<p style=\"margin-top:12px;\">\n<em>Das h\u00f6rt sich so an, als ob die TRC die Rolle von multinationalen Konzernen w\u00e4hrend der Apartheid nicht vollst\u00e4ndig aufgekl\u00e4rt hat. Hat die TRC ihren Auftrag erf\u00fcllt?<\/em><br \/>\nSie hat ihr urspr\u00fcngliches Mandat nicht einmal ann\u00e4hernd erf\u00fcllt. Das gr\u00f6\u00dfte Defizit war es, den s\u00fcdafrikanischen TRC-Prozess opferunfreundlich und damit t\u00e4terfreundlich werden zu lassen. Opfern wurde weder das Recht auf eine bedeutende Entsch\u00e4digung, noch auf eine gerechte Vers\u00f6hnung zugestanden. Weder mussten T\u00e4ter sich mit Opfern treffen, noch gab es Pl\u00e4ne das Leid wiedergutzumachen, das den Opfern angetan wurde. Es gab dubiose Deals und Verhandlungen zu Lasten der Opfer. Die Rechte von Opfern sind wieder verletzt worden. Der s\u00fcdafrikanische TRC-Prozess ist in dieser Hinsicht bitter gescheitert.\n<\/p>\n<p style=\"margin-top:12px;\">\n<em>Wie definiert Khulumani Erinnerungspolitiken, im Gegensatz zu den staatlich definierten Erinnerungspolitiken?<\/em><br \/>\nUnser Leitspruch besagt: Eine gerechte Gesellschaft der Inklusion aufzubauen, in der die W\u00fcrde der Menschen wiederhergestellt wird, die von der Apartheid gesch\u00e4digt wurden, \u00bbthrough the process of transforming victims into victors.\u00ab Antworten, die Opfern etwas bedeuten, k\u00f6nnen nur aus der Perspektive der Opfer abgeleitet werden. Das politische Spektrum muss redefiniert werden, um anzuerkennen was in der Vergangenheit geschehen ist, damit diese schreckliche Vergangenheit ein Teil des Bewusstseins jetziger Generationen wird.<br \/>\nOpfer und \u00dcberlebende d\u00fcrfen niemals als Au\u00dfenseiterInnen der Gesellschaft definiert werden. Indem wir uns daf\u00fcr einsetzen, definieren wir die Geschichte von uns hier in S\u00fcdafrika neu. Um das Argument zu etablieren, \u00bbthat victims are transformed from this victimhood into victory\u00ab.\n<\/p>\n<p style=\"margin-top:12px;\">\n<em>Kannst du ein aktuelles Beispiel daf\u00fcr geben, wie ihr die staatliche Erinnerungspolitik herausfordert?<\/em><br \/>\nWir haben den vom Justizministerium ge\u00e4nderten Gesetzesentwurf zur strafrechtlichen Verfolgung in Bezug auf Amnestien kritisiert. Das Ministerium hat das Gesetz in der Verfassung ver\u00e4ndert, ohne die Perspektive der Opfer mit einzubeziehen. Es gab keine R\u00fccksprache. Also haben wir Klage gegen den Staat eingereicht und die Klage gewonnen. Das bedeutet, die Regierung kann nicht komplett willk\u00fcrlich handeln. In Bezug auf Opferfragen m\u00fcssen Opfer geh\u00f6rt und informiert werden. F\u00fcr uns war das ein Riesenerfolg.\n<\/p>\n<p style=\"margin-top:12px;\">\nI<em>hr habt die Regierung auch in Bezug auf einen anderen Vorschlag hinterfragt&#8230;<\/em><br \/>\nAm 8. Juni 2011 hat die Regierung verk\u00fcndet, die restlichen Gelder aus dem Pr\u00e4sidentschaftsfonds seien nur f\u00fcr die Opfer bestimmt, die von der TRC anerkannt wurden. Die TRC ist immer noch ein unerledigtes Gesch\u00e4ft. Es ist allseits bekannt, dass die TRC f\u00fcr viele S\u00fcdafrikanerInnen und s\u00fcdafrikanische Opfer nie zug\u00e4nglich war. Wenn der Staatspr\u00e4sident den Prozess als einen der Inklusion gestalten m\u00f6chte, dann m\u00fcssen die ber\u00fccksichtigt werden, die beim TRC-Prozess au\u00dfen vor gelassen wurden und durch das Raster gefallen sind. Es gibt nicht ein besseres und ein schlechteres Opfer. Opfer sind alle gleich.\n<\/p>\n<p style=\"margin-top:12px;\">\n<em>Die TRC hat 22.000 Opfer anerkannt.<\/em><br \/>\nWir sagen, es gibt noch viel mehr Opfer. Aus der heutigen Bev\u00f6lkerung S\u00fcdafrikas, 49 Millionen Menschen, k\u00f6nnen nur 22.000 als Opfer identifiziert werden, was sagt dir das? Wenn die Rechte von Menschen \u00fcber Jahrzehnte grausam verletzt worden sind, zur\u00fcckdatiert auf die 1940er Jahre, als die Nationale Partei die Apartheid gutgehei\u00dfen hat \u2013 aus der politischen Gewalt, aus diesen Massakern sind wie viele Opfer identifiziert worden? Und jetzt erw\u00e4hnen sie nur 22.000, was eine absolute Schande ist und jegliches Feingef\u00fchl von Seiten des Staates vermissen l\u00e4sst.\n<\/p>\n<p style=\"margin-top:12px;\">\n<em>Das Konzept der \u00dcbergangsjustiz (transitional justice) ist ein Hauptbestandteil eurer Arbeit. Was beinhaltet es?<\/em><br \/>\nDie \u00dcbergangsjustiz will Justiz effektiv gestalten. Gerechtigkeit und Rechte m\u00fcssen den marginalisiertesten Communities und den Menschen einger\u00e4umt werden, die \u00f6konomisch nicht \u00fcberlebensf\u00e4hig sind. Wenn ein Recht nur als ein Privileg der Besitzenden erkl\u00e4rt werden sollte und f\u00fcr die Nicht-Besitzenden zur Schicksalsfrage wird, kann der \u00dcbergang in eine gerechte Gesellschaft nicht von Bedeutung sein. Also sollte es in einer Gesellschaft der Inklusion von Bedeutung sein, weil Opfer immer noch deklassiert und entrechtet sind.\n<\/p>\n<p style=\"margin-top:12px;\">\n<em>Was ist die wichtigste Grundvoraussetzung, um den \u00dcbergang zu einer gerechteren Gesellschaft in S\u00fcdafrika zu garantieren?<\/em><br \/>\nErstens, es niemals zu erlauben, dass sich die Gewalttaten der Vergangenheit wiederholen und die absolute Straflosigkeit abzuschaffen. In dem Rahmen k\u00f6nnte es eine gerechte Gesellschaft geben. Eine gerechte Gesellschaft sollte nicht nur f\u00fcr die Wohlhabenden ideal und weniger praktisch f\u00fcr die Armen sein. Wenn die Gesellschaft weiter aufgespalten und nie als Kollektiv gesehen wird, dann w\u00fcrde eine bestimmte Klasse von Menschen, und zwar die Nicht-Habenden, immer \u00e4rmer. Das m\u00fcndet in eine andere Art von politischem Konflikt und der kann endlos sein. Und wenn sich der Konflikt gegen die Nicht-Habenden fortsetzt und die Habenden die T\u00e4ter in diesem Konflikt sind, dann kann es niemals eine gerechte Gesellschaft geben. Es w\u00e4re nur eine utopische gerechte Gesellschaft f\u00fcr die Habenden und bedeutungslos f\u00fcr die Nicht-Habenden.\n<\/p>\n<p style=\"margin-top:12px;\">\n<h4>Infobox:<\/h4>\n<p>\u00dcberlebende und Familien der Opfer von S\u00fcdafrikas Apartheid haben 1995 die Khulumani Support Group gegr\u00fcndet. Khulumani betreibt Lobbyarbeit und ist F\u00fcrsprecherin f\u00fcr ungel\u00f6ste und unerledigte Themen der TRC (Truth and Reconciliation Commission\/Wahrheits- und Vers\u00f6hnungskommission), wie etwa Reparationsprogramme f\u00fcr Communities, die Verfolgung von T\u00e4tern, die keinen Amnestieantrag gestellt haben, die Suche nach verschwundenen Personen. Mit all dem fordert Khulumani best\u00e4ndig die staatliche Erinnerungspolitik heraus. Weitere Bestandteile ihrer Arbeit sind Capacity Building, Heilungs-, Bildungs- und Erinnerungsprogramme und die Dokumentation von Erfolgsgeschichten. Khulumani hat heute 65.000 Mitglieder.\n<\/p>\n<p style=\"margin-top:12px;\">\n<h4>Anmerkungen:<\/h4>\n<p><sup id=\"&sup1;\">1<\/sup>Die Klage ist mittlerweile gegen f\u00fcnf Konzerne zugelassen: IBM, Daimler AG, General Motors, Ford, Rheinmetall AG.\n<\/p>\n<p style=\"margin-top:12px;\">\nMehr Infos unter: <a href=\"http:\/\/www.khulumani.net\">www.khulumani.net<\/a>\n<\/p>\n<p style=\"margin-top:12px;\">\n<h4>Ver\u00f6ffentlichungen:<\/h4>\n<p>Interview <em>From Victims to Victors<\/em>, analyse&#038;kritik, 20.01.2012, S.19<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcberlebende und Familien der Opfer von S\u00fcdafrikas Apartheid haben 1995 die Khulumani Support Group gegr\u00fcndet. 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